Interview mit Gunther Verleger – Beziehungen Nutzen Immer | Alexander Hartmann

Interview mit Gunther Verleger – Beziehungen Nutzen Immer

by alex

Wenn aus Kontakten „Kontrakte“ werden – ein Interview mit Profi-Netzwerker Gunther Verleger

Er ist der Mann der das Unternehmer Netzwerk BNI im Jahr 2000 nach Deutschland gebracht hat.

„B.N.I. – das ist die Abkürzung von „Beziehungen nutzen immer“, beginnt Gunther Verleger unser Gespräch mit einem Schmunzeln.

Das Interview findest du in voller Länge hier als Video. Zum Lesen findest du es darunter 🙂

Herr Verleger, Sie sind einer von Deutschlands erfolgreichsten Netzwerkern. Meine Frage an Sie: Der schlimmste Fehler, den ein Netzwerk-Anfänger machen kann?

Gunther Verleger: Viele Menschen verwechseln Netzwerken mit Verkauf. Doch Netzwerken ist in erster Linie das Herstellen von Beziehungen. Ein Beispiel: Sie halten einen Vortrag und direkt nach dem Vortrag kommt jemand auf Sie zugestürmt und sagt: „Herr Hartmann, ich hab hier eine ganz tolle Idee für Sie!“. Dann wundern Sie sich doch erst mal und fragen sich: „Was will dieser Mensch? Ich kenn´ den doch gar nicht!“ Dieser andere hat dann den typischen Fehler gemacht, dass er Ihnen etwas verkaufen wollte, ohne zuerst mal eine Beziehung mit Ihnen aufzubauen. Wenn Sie beide stattdessen erst einmal die Chance hätten, sich kennenzulernen und gemeinsam zu schauen: „Was können wir Schönes miteinander machen? Und wo hätten wir beide auch noch einen Benefit daraus?“, dann ist das Netzwerken für Sie beide von Erfolg gekrönt.

Und was ist dabei wichtiger: Die Größe eines Netzwerks oder die Qualität einzelner Beziehungen?

Gunther Verleger: Die Frage ist interessant, weil das in etwa so ist, wie wenn man fragt: „Was ist Ihnen wichtiger, Ihr linkes oder Ihr rechtes Bein? Ihr linker oder Ihr rechter Arm?“ Beides ist wichtig! Manche Menschen denken, es sei ausreichend, viele Tausend Kontakte im Online-Bereich zu haben. Viel entscheidender ist es aber, dass man sowohl eine große Zahl an Kontakten hat, aber auch die Balance hält zur Tiefe der Kontakte – dass man also auch eine genügend große Zahl an wirklich tiefen Beziehungen hat.

Wenn Sie Menschen, die lernen möchten, erfolgreich zu Netzwerken, ein paar Tipps geben könnten, welche wären das?

Gunther Verleger: Zunächst einmal ist es ganz richtig, was Sie sagen: Netzwerken kann man lernen. Es gibt Menschen, die sagen: „Ich kann mir keine Namen merken“ oder „Ich bin so ein schüchterner Mensch“. Das mag sein, aber Netzwerken ist kein Talent, sondern tatsächlich eine Fähigkeit, die Sie lernen können.

– Netzwerken ist in erster Linie ein aktives TUN – es heißt Netz-Werken und nicht Netz-Sitzen, wie unser Gründer Ivan Misner immer so schön gesagt hat. Wir müssen also rausgehen und aktiv werden, uns zeigen, regelmäßig auf Veranstaltungen gehen. Viele Menschen unterschätzen in unserem Online-Zeitalter den persönlichen Kontakt. Dann ist es die Kunst, auch in Kontakt zu bleiben – den Kontakt zu halten. Das hat mit Organisation und Disziplin zu tun. Doch das ist schaffbar.

– Vor allem ist Netzwerken eher als ein Marathon zu sehen als ein Sprint. Netzwerken ist immer etwas Langfristiges. Es kann sein, dass heute jemand nicht in mein Netzwerk passt – doch wer weiß, wo dieser Mensch in zwei Jahren steht? Oder ich selbst? Es kann sich ganz schnell etwas verändern und plötzlich passt man vielleicht wunderbar zusammen. Langfristiges Denken ist also ganz wichtig beim Netzwerken.

– Natürlich ist es auch ganz wichtig, ehrlich zu ein und integer. Menschen merken ganz schnell, ob man wirklich weiß, wie etwas geht, oder ob man nur so tut als ob. Lieber mal zugeben, dass man etwas nicht weiß, statt hinterher zu merken „Das war nix.“ Solche Dinge schwingen lange nach.

Konsequenz ist auch noch ein wichtiger Aspekt. Konsequenz heißt für mich: Wirklich zu meinem Wort stehen und konsequent zu handeln.

Und ein ganz entscheidender Faktor beim erfolgreichen Netzwerken ist auch die innere Haltung des Dienens. Und zwar aus einer Grundhaltung heraus, nicht mit dem Hintergedanken: „Was bekomme ich zurück?“ An erster Stelle steht das Dienen, das Geben. Es kommt sowieso etwas zurück – manchmal etwas ganz anderes, als man erwartet hat. Ein Netzwerk hat immer auch eine Art „Schmetterlingseffekt“. In unserem Netzwerk sind schon Hochzeiten gefeiert worden und Kinder zur Welt gekommen.“ (lacht)

Vielen Dank, Herr Verleger, für Ihre Zeit und diese wertvollen Einblicke!

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